Führung
"Ohne Beziehung erreichst du keine Erziehung!"
„Sei mal Führungskraft.“
Der Satz kann, so salopp er auch klingen mag, mit einer gehörigen Portion Verantwortung verbunden sein. Tatsächlich ist der Weg einer erfolgreichen Führungskraft ein ganz eigener Lifestyle, den man weder im Studium noch aus irgendwelchen theoretischen Ratgebern lernen kann.
Wie bei vielen Dingen im Leben handelt es sich hierbei eher um einen intensiven Entwicklungsprozess. Ein Stück Papier oder ein Zwei-Tages-Kurs macht dich noch lange nicht zum Chef. Vielmehr ist es der tägliche, ehrliche Umgang mit deinem Team. Es gilt, individuelle menschliche Bedürfnisse zu berücksichtigen und diese gleichzeitig mit den harten Unternehmenszielen in Einklang zu bringen.
Dabei habe ich in der Praxis gelernt, dass eine persönliche Bindung zu den Mitarbeitern das absolute Fundament ist. Dazu gehört weitaus mehr als nur ein plumpes Nachfragen, wie denn das Wochenende war. Gefragt ist ein aufrichtiges Interesse an der Persönlichkeit und der echten Lebenswelt der Menschen in deinem Team. Die Personen, die täglich für dich arbeiten, müssen in der Lage sein, echtes Vertrauen zu dir aufzubauen!
1. Verantwortung darf nicht nur auf dem Papier stehen!
Deine Leute möchten ganz genau wissen, wohin der Weg geht. Dazu gehört eine transparente Arbeitsweise, nachvollziehbare Entscheidungen, kompromisslose Regeln für alle Teammitglieder und natürlich das Gefühl, als Mensch wahrgenommen und wertgeschätzt zu werden.
Definitiv keine leichte Aufgabe für Neueinsteiger in dieser Branche!
Man erwartet von einer Führungskraft nicht nur, dass sie die übergeordnete Verantwortung übernimmt, sondern auch das nötige Fingerspitzengefühl besitzt, um Verantwortung gezielt an die Mitarbeiter zu delegieren. Die meisten Menschen suchen Sinnhaftigkeit in ihrer Tätigkeit und wünschen sich Wertschätzung – im Gegenzug darf die psychische Last jedoch nicht zu hoch werden, weil sie die Leute sonst erdrückt und demotiviert.
Woran erkenne ich gravierende Defizite bei der Personalführung?
Erhöhte Krankheitsraten, spürbare Performanceprobleme bei den KPIs oder allgemein emotionale Ausraster, sobald es zu Stress oder akutem Zeitdruck kommt. Dabei sind vor allem in der Logistik die Phasen relevant, in denen eben nicht alles nach Plan läuft. Ein gutes Team erkennt man nicht in den ruhigen Zeiten, sondern an der Frage, ob die Basis eisern zusammenarbeitet, wenn der Laden gefühlt auseinanderbricht.
In genau solchen Extremsituationen gilt es, absolute Ruhe und Souveränität auszustrahlen und sich mit folgenden Kernfragen zu beschäftigen:
- Kann ich auch schwierige und unbequeme Entscheidungen konsequent treffen?
- Haben meine Mitarbeiter Vertrauen zu mir und sehen zu mir auf?
- Übernehme ich glasklar die Verantwortung für falsche Handlungen meiner Abteilung?
- Delegiere ich Aufgaben richtig oder leide ich unter einem lähmenden Kontrollzwang?
2. Mitarbeiter sind Menschen, kein reines Zahlenmaterial!
Viele Führungskräfte machen den großen Fehler, dass sie vor allem für die kaufmännische Teppichetage glänzen wollen. Da werden Excel-Tabellen manisch gepflegt und KPIs zu Gunsten der eigenen Abteilung manipuliert. Gerade in der Logistik gibt es schließlich mehr als ausreichend Zahlenmaterial:
- Wie viele Aufträge machst du pro Stunde?
- Hast du in dieser Woche Pickfehler gemacht?
- Warst du in diesem Jahr öfters krank?
- Wie hoch ist deine persönliche Verteilzeit in Bezug auf Toilette und Kaffeeautomat?
- Bist du überhaupt produktiv?
Jeder Unternehmer weiß, dass es sich hierbei um wichtige Kennzahlen handelt, aber hinter jeder nackten Zahl steckt immer ein Mensch. Vor allem dürfen die potenziellen Synergieeffekte nicht vergessen werden: Natürlich steht Kollege A vielleicht mal zwei Minuten zu lange am Kaffeeautomaten. Im Gegenzug ist er aber vielleicht der einzige und kompetente Anreißer, wenn es auf der Fläche unübersichtlich wird und brennt. Diese feinen Nuancen erfordern die echte Menschenkenntnis einer guten Führungskraft und lassen sich mathematisch schlichtweg nicht messen.
Selbstverständlich ist Zahlenmaterial wichtig und die logische Grundlage für eine fundierte Ursachenforschung:
- Warum ist Person B aktuell langsamer als die anderen?
- Weshalb gibt es Phasen mit erhöhten Pickfehlern?
- Weshalb verliert ein wertvoller Mitarbeiter die Lust und kündigt?
Aufgrund der Zahlen sehe ich am Ende des Tages die ungeschminkten Ergebnisse meiner Führung. Für eine erfolgreiche Ursachenforschung ist allerdings die Kommunikation entscheidend – gepaart mit dem Fingerspitzengefühl für Wechselwirkungen und Synergieeffekte.
Und das bringt uns direkt zum wichtigsten Werkzeug guter Führung:
3. Ein guter Chef hört zu!
Es muss nicht die komplette Energie für die Zielerfüllung von der Führungskraft allein kommen. Ganz im Gegenteil: In der Regel sind die Mitarbeiter auf der Fläche die absoluten Spezialisten in ihrem Bereich, weil sie sich den lieben langen Tag viel intensiver mit der jeweiligen Materie beschäftigen. Von daher zieht man den größten unternehmerischen Nutzen daraus, wenn man sich die Zeit nimmt und den Mitarbeitern einfach mal aufmerksam zuhört.
Manche Führungskräfte fühlen sich nur dann gut, wenn sie alles an sich reißen. Sie wollen die beste Fachkraft sein, die klügsten und fähigsten – und erkennen dabei nicht, dass sie sich damit nicht nur selbst massiv unter Stress setzen, sondern auch ihr eigenes Team verunsichern.
Viel authentischer als die eierlegende Wollmilchsau ist ein Chef, der direkt fragt: „Wie würdest du das Problem lösen?“
Damit spricht man nicht nur das Selbstvertrauen der Person an, sondern äußert gleichzeitig eine tiefe Wertschätzung für die Kompetenz des Teams. Gleichzeitig macht man sich durch das offene Zugeben einer eigenen Wissenslücke menschlicher und nahbar für die Leute. Die Identifikation mit der Führungskraft fällt der Belegschaft dadurch deutlich leichter. Zudem lernt ein guter Chef niemals aus – und neben dem persönlichen Wissensbonus sichert man sich so den direkten Zugriff auf wertvolle Informationen und echte Erfahrungswerte von der Basis.
4. Fehler sind etwas Gutes und niemals schlecht!
Diese Aussage klingt im ersten Moment vielleicht paradox, aber sie entspricht der absoluten Wahrheit. So viele Menschen fürchten sich panisch davor, Fehler zu machen oder einen Fehler offen zuzugeben. Dabei ist ein Fehler nüchtern betrachtet lediglich das logische Ergebnis eines Arbeitsprozesses. Durch das Entstehen von Fehlern erhalten wir direktes Feedback zu unseren bisherigen Entscheidungen und decken ungeschminkt die Potenziale für Verbesserungen auf.
Nichts ist produktiver für ein Unternehmen als eine gelebte, offene Fehlerkultur!
- Was ist passiert und warum?
- Was können wir am Prozess verändern, damit es nicht wieder passiert?
- Spricht mein Team offen über Fehler oder herrscht Angst vor Konsequenzen?
- Übernimmt die Führungskraft vor dem Kunden oder der Geschäftsleitung die Verantwortung für den Fehler?
Genau hier setzt die Arbeit einer echten Führungskraft an. Wenn wir Feedback zu Problemen ehrlich erhalten, offen mit den Mitarbeitern darüber sprechen können und uns eine saubere Prozessanalyse sämtlicher Eventualitäten gelingt, die zu den Fehlern geführt haben – dann sind wir auf dem besten Weg zu einem Spitzenbetrieb!
5. Disziplin als faires Führungsinstrument!
Auch wenn der Mensch grundsätzlich ein harmoniebedürftiges Wesen ist, benötigt er zwingend feste Strukturen. Ein kooperativer Führungsstil ist in der Praxis ein hervorragendes Ziel, aber natürlich darf man den Leuten nicht jeden Fehler durchgehen lassen. Es benötigt Fingerspitzengefühl, das richtige Maß zu finden, damit die feine Mischung zwischen Menschlichkeit und Disziplin gewahrt bleibt. Grundsätzlich wünschen sich Mitarbeiter nämlich nicht nur Freiraum, sondern vor allem klare Orientierung:
- Was wird von mir erwartet?
- Für was bin ich persönlich verantwortlich?
- Was wird im Team absolut nicht akzeptiert?
Wer nicht klar führt und Fehlverhalten ohne Konsequenzen verpuffen lässt, büßt in Schallgeschwindigkeit seine Autorität ein. Genauso schränkt ein dauerhaft zu strenger, unfairer Ton die Motivation massiv ein. Die Folge: Die Mitarbeiter flüchten sich in den Krankenstand und haben Angst, jemals wieder aus eigenem Antrieb heraus zu agieren.
Eine glasklare Linie sorgt dafür, dass eine felsenfeste Vertrauensbasis entstehen kann. Die Erwartungen müssen präzise definiert, die Entscheidungen logisch nachvollziehbar sein – dann folgt der Respekt der Mannschaft automatisch. Wie schon erwähnt, zeigt sich die wahre Stabilität im Fundament des Teams erst dann, wenn die Zeiten unruhig werden.
In der Krise erkennt das Team sofort, ob die internen Prozesse greifen, die Aufgaben verstanden wurden und eine unumstößliche Gerechtigkeit für alle Personen herrscht. Dabei ist jedes Team so individuell und einzigartig wie die Menschen selbst. Die Maßnahmen, die bei Team A perfekt funktionieren, gelten nicht automatisch auch für Team B.
Ein schlechter Führungsstil kann ein Unternehmen unfassbar viel Geld kosten. Diese Summe ist oft nicht sofort auf dem Papier sichtbar, sondern zeigt sich schleichend durch explodierende Krankheitstage und eine erhöhte Fluktuation, die zu einem massiven Abgang von wertvollem Humankapital führt. Jede erneute Einarbeitung kostet bares Geld und bindet bestehendes Personal.
Bei einem guten Führungsstil entstehen mächtige Synergieeffekte. Nicht nur, dass die Mitarbeiter sich fachlich wie menschlich weiterentwickeln und effizienter werden – auch das Fundament der Führungskraft selbst wird nachhaltig gesichert, da das Personal natürlich den „Status Quo“ aufrechterhalten möchte. Wertgeschätzte Mitarbeiter sind grundsätzlich bereit, mehr zu leisten, zeigen sich offener für Mehrarbeit oder Überstunden und neigen deutlich seltener zu Dienst nach Vorschrift. Selbst schwierige Gespräche verlaufen konstruktiv, wenn sie auf Augenhöhe stattfinden.
Erkennen Sie Nachholbedarf in Ihrem eigenen Betrieb?
Wenn Sie bei dem einen oder anderen Gedanken zustimmend genickt haben, allerdings noch nicht genau wissen, wie die Umsetzung in Ihrer individuellen Praxis funktioniert, lohnt sich ein unvoreingenommener Blick von außen. Das gilt für die Führungskultur ebenso wie für die dazugehörigen Arbeitsprozesse.
Ich unterstütze KMUs in der Logistik dabei, Theorie und Hallenfläche erfolgreich zu vereinen. Zögern Sie nicht und nehmen Sie noch heute Kontakt auf!